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Mag. Andreas Zakostelsky ist Vorstandsvorsitzender der Valida Vorsorge Management und Obmann des Fachverbandes der Pensionskassen. |
Neben der staatlichen Pension als erster Säule stellt die Betriebspension die zweite Säule im Pensionssystem dar. Welche Bedeutung hat die betriebliche Vorsorge aktuell?
Zakostelsky: Die Bedeutung der betrieblichen Vorsorge erhält vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und des zunehmenden Finanzierungsdrucks auf die staatliche Pensionsversorgung einen immer höheren Stellenwert.
Der internationale Vergleich zeigt, dass die betriebliche Vorsorge in Österreich noch enormes Wachstumspotenzial hat. Derzeit sind rund 20 Prozent der Arbeitnehmer in einem Betriebspensionssystem eingebunden und damit vom europäischen Durchschnitt mit 50 Prozent noch weit entfernt.
Rund 90 Prozent der Pensionsleistungen werden in Österreich von der öffentlichen Hand finanziert. Nur jeweils 5 Prozent des Alterseinkommens stammen aus der betrieblichen bzw. privaten Vorsorge. Hier sind uns andere europäische Staaten weit voraus. In den Niederlanden oder der Schweiz sind betriebliche Vorsorgemodelle ein Obligatorium. Hier machen die kapitalgedeckten Pensionszahlungen mehr als 50 Prozent aus.
Warum sollten sich Unternehmen für eine betriebliche Vorsorgelösung entscheiden? Welche Anreize gibt es für Firmen?
Zakostelsky: Die gesellschaftliche und soziale Verantwortung von Unternehmen rückt immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Unternehmen, die ein zukunftsorientiertes und auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Management wirklich ernst nehmen, integrieren betriebliche Vorsorgemodelle in ihre Unternehmensstrategie.
Neben steuerlichen Vorteilen können betriebliche Vorsorgelösungen gezielt als strategisches Instrument der Personalpolitik in der Positionierung als attraktiver Arbeitgeber eingesetzt werden, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und langfristig ans Unternehmen zu binden. Denn im so genannten "Kampf um die besten Köpfe" zählen heute mehr Faktoren als Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten. Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeiten und betriebliche Vorsorgemodelle werden künftig immer stärker nachgefragt, insbesondere auch von der jungen Generation, die sich durch die staatliche Pensionsversorgung nicht mehr ausreichend abgesichert fühlt. Für eine hochqualifizierte Arbeitskraft, die zwischen mehreren Arbeitgebern wählen kann, stellen betriebliche Vorsorgelösungen somit einen verlockenden Benefit dar.
Wie funktioniert das Betriebspensionsmodell genau?
Zakostelsky: Die Geschäftstätigkeit einer Pensionskasse kann man kurz und einfach erklären: Der Arbeitgeber zahlt Beiträge in die Pensionskasse, der Arbeitnehmer ist begünstigt und bezieht in Zukunft eine Zusatzpension. Der große steuerliche Vorteil aus Sicht des Arbeitnehmers lautet: Sowohl die Einzahlungen als auch die Veranlagung sind komplett frei von Steuer- und Sozialversicherungspflicht. Im Vergleich zu einer Gehaltserhöhung sind somit Pensionskassenbeiträge für den Arbeitnehmer weitaus lukrativer.
Wer hat Anspruch auf eine Betriebspension?
Zakostelsky: Alle Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber Beiträge in eine Pensionskasse einbezahlt haben, ab ihrem Pensionsantritt.
Mit welcher Zusatzpension kann der Arbeitnehmer rechnen?
Zakostelsky: Das hängt von der Höhe der Beiträge, dem Zeitraum der Einzahlungen und einigen anderen Indikatoren, wie zum Beispiel dem Veranlagungserfolg oder dem Rechnungszins ab. Der Rechnungszins ist eine versicherungsmathematische Größe, die hilft, künftige Leistungen zu prognostizieren. Zur Veranschaulichung eine Hochrechnung: Ein Arbeitgeber bezahlt für einen heute 30jährigen Dienstnehmer monatlich 100 Euro in eine Pensionskasse. Bei einer durchschnittlichen Performance von 4,25 % und einem Rechnungszins von 2,25 % pro Jahr kann der Begünstigte, so er im Alter von 60 Jahren in Pension geht, mit einer Zusatzpension von 2.900 Euro pro Jahr rechnen.
Seit Anfang März 2010 treten Vorsorge Holding, die ÖPAG Pensionskasse, die ÖVK Vorsorgekasse und die PlanPension Vorsorgeberatung unter der neuen gemeinsamen Marke Valida Vorsorge Management auf. Was ist der Grund für den neuen gemeinsamen Markenauftritt?
Zakostelsky: Im Sinne unserer Kundenorientierung war unser Markenlaunch am 1. März 2010 ein Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte. Unter dem gemeinsamen Namen Valida Vorsorge Management sind wir als österreichweit agierendes Kompetenzzentrum für betriebliche Vorsorge am Markt noch besser erkennbar und wahrnehmbar.
Den Entschluss zur Bündelung unserer Geschäftsfelder aus den einzelnen Vorgängergesellschaften haben unsere Eigentümer – die Raiffeisen Bankengruppe und die UNIQA Versicherungen – bereits im Jahr 2008 getroffen. Schon jetzt zeigt sich, dass diese Entscheidung richtig war und enorm positive Auswirkungen hat.
Welchen Nutzen haben die Kunden davon?
Zakostelsky: Für unsere Kunden bedeutet dies, dass sie noch kompetenter betreut werden können, da ihnen umfassendes Experten-Know-how und spezifisches Fachwissen aus den unterschiedlichen Bereichen "aus einer Hand" zur Verfügung stehen. Das heißt, für sämtliche Fragen zur betrieblichen Vorsorge gibt es einen zentralen Ansprechpartner mit einer Adresse und einer Telefonnummer. Dahinter stehen Experten aus drei operativen Gesellschaften mit jeweils starken Teams.
Vielen Dank für das Gespräch!
1. Juli 2010
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